Suchen Sie in 15.595 Anzeigen

Trauer – ein schwerer Lernprozess

Die Trauer um einen geliebten Menschen gehört wie die Liebe selbst zu den tiefsten Gefühlen, die man überhaupt im Leben erfährt. Oft trifft einen unerwartet und erst nach einiger Zeit ein Trauerschock und überwältigt alles andere. Es gibt nichts, was Trost spenden könnte. Man fühlt sich wie gelähmt. Das Leben selbst erscheint sinnlos und eine Qual. Gerade ältere Menschen überleben den Gram um ihren verstorbenen Gatten oft nicht. Darum ist es so ungeheuer wichtig, mit der Trauerarbeit zu beginnen, ehe der Trauerschock einsetzt. Gerade der Abschied, vielleicht der Umstand, den Toten noch einmal sehen zu können, sind im Zusammenhang mit der Trauerbewältigung oft wesentliche und unwiederbringliche Momente. Ein Abschied nicht nur von einem geliebten Menschen, von seiner Stimme, seinen Zärtlichkeiten und seiner Seele, sondern auch von den eigenen und gemeinsamen Wünschen und Hoffnungen. Ein Abschied von einem Leben, das nicht mehr gelebt werden kann und vielleicht nicht gelebt wurde. Ein doppelter Abschied, ein doppelter Schmerz. Jetzt beginnt der schmerzhafteste aller Wege, der Weg der Trauer – seine Bewältigung ist hinsichtlich Dauer und Intensität nicht vorher bestimmbar. Zu individuell ist der Einzelne ausgerüstet, ein Verlaufsschema kann es nicht geben.Jeder trauert anders und auf seine Weise. Die Trauer wird von vielen individuellen Gegebenheiten des Verstorbenen und den eigenen bestimmt. Nächster Angehöriger, Verwandter, Freund, Alter, Krankheit und Leiden, Unfall, Suizid, all dies hat Einfluss auf die Trauer. Frühere Verluste können wiederaufleben uns sich mit neuem Schmerz überlagern.Wer mit wahren Freundschaften und liebenden Angehörigen ausgerüstet ist, die zuhören und unterstützen, der wird es leichter haben und den Verlust komplikationslos überwinden. Trauerprozesse verlaufen in mehreren Phasen. Der anfänglichen Schockphase folgt nach gewisser Zeit eine Phase aufbrechender Gefühle – die Verlustverarbeitung. Diese Phasen der Trauerbewältigung und Trauerverarbeitung wechseln sich zeitlich ab. Der Verlust wird nun als nichtumkehrbarer wirklicher Zustand akzeptiert – ein erster Schritt zur Heilung. Trauerarbeit heißt, all diese Gefühle zu spüren und ständig zu verarbeiten – ein schwerer Lernprozess.

Zitat:
Memento mori, bedenke, dass du sterben musst.

Irgendwann wird ein Punkt erreicht, an welchem der Tod eines geliebten Menschen nicht mehr nur als Verlust angesehen wird. Die langwierige und schmerzhafte bewusste Auseinandersetzung mit Tod und Abschied eröffnet neue Chancen. Der nun nicht mehr schmerzhafte Gedanke an den Menschen, den man verloren hat, wird zum täglichen Begleiter in allen Lebenslagen. Viele Menschen halten in Dankbarkeit innere Zwiesprache mit ihrem Verstorbenen und schöpfen daraus wieder Kraft und Lebensfreude. Die Trauerbewältigung ist nun abgeschlossen.

Info/Tipp:
Die Zeit allein heilt keine Wunden – nur wer Trauer zulässt, der wird Heilung erfahren. Das Ziel der Trauerarbeit ist es, die Beziehung zu den Verstorbenen neu zu definieren und zu gestalten. Von allen unerfüllbar gewordenen Hoffnungen ist nun Abschied zu nehmen. Dieser Verlust wird nun Bestandteil des Lebens, um nicht in der Vergangenheit zu verharren. Ein fester Platz wird dem Verstorbenen zugewiesen, ein Grab auf dem Friedhof oder in der Erinnerung. Auch die Akzeptanz der eigenen nun veränderten neuen Stellung in der Gesellschaft spielt eine wichtige Rolle in der Trauerbewältigung und Trauerverarbeitung. Stress und Erschöpfung beeinflussen auch Denken und Wahrnehmen. Schuldgedanken hin bis zu Wahnvorstellungen können Trauernde ergreifen. Es kommt bis zur Frage, ob man unter Wahnvorstellungen leide. Dies ist normal und zeigt, das Ende der Trauer ist noch nicht erreicht. Ewiges Grübeln, Alkohol, Medikamente und explizite Überaktivitäten oder völliger Rückzug zeigen die Grenzen der Trauer auf. Eine Zeit lang ist dies gut als Teil der Trauerverarbeitung, aber es wird Zeit, sich Rat und Tat aus dem persönlichen Umfeld oder professioneller Art zu holen.